Von Gedichten und so ... Eine Annäherung an die Lyrik.

Lyrik. Ein Beispiel

Rainer Maria Rilke

Der Panther
(Im Jardin des Plantes, Paris)

 

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

 

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

 

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

 

 

Was ist Lyrik?

Der Begriff „Lyrik“ kommt vom griech. "Lyra". Das war ein Saiteninstrument, mit dem z. B. bei religiösen Festen die Gesänge begleitet wurden. Damit können wir bereits sehen, dass Lyrik eine Form von Literatur ist, die sehr nahe an der Musik ist. Es geht nicht nur um Inhaltliches. Es geht auch um formalisierte und vor allem rhythmisierte Sprache. Es geht um einen eindringlichen oder schönen "Klang". Es geht um die "gute Form". Und anderes mehr. Mehr als in andereren Texten geht es also in der Lyrik nicht nur darum, einen Sachinhalt in Sprache zu gießen. Es geht darüber hinaus auch um den Anspruch, das in einer "verdichteten", "artifiziellen", "schönen", besonders ausdruckssvollen, originiellen Sprache zu tun. Und mehr als andere Texte lädt Lyrik ein, zu verweilen, sich Gedanken zu machen, ein Bild zu betrachten und auf sich wirken zu lassen. 

 

Lyrik lässt sich nur schwer auf einen Punkt bringen, weil lyrische Texte sehr unterschiedliche Formen haben können. Am ehesten könnte man sagen, dass es sich dabei um Dichtung handelt, die in einer eigenen „Kunstsprache“ (der Fachausdruck wäre „gebundene Sprache“) geschrieben ist. Meine persönliche Lieblingsdefinition lautet: Lyrische Texte sind Bilder aus Sprache.

 

Außerdem ist lyrische Dichtung oft „Ausdrucksdichtung“, d. h., es wird ein Gefühl, eine Stimmung, ein Gedanke, eine Phantasie oder etwas Ähnliches zum Ausdruck gebracht, ohne dass aber eine Handlung im eigentlichen Sinn erkennbar wäre.

 

 

Außerdem ist lyrische Dichtung oft extrem „verdichtet“ und wirft für den Leser/die Leserin so die meisten Fragen auf beziehungsweise lässt ihm/ihr am meisten Spielraum bei der Interpretation.

 

 

Ein Beispiel für ein sehr berühmtes Gedicht ist „Der Panther“ von Rainer Maria Rilke. Es ist ungefähr um 1900 entstanden. Man bezeichnet es auch heute noch oft als  „Dinggedicht“ (was ich persönlich pietätlos und eigentlich skandalös finde!) 

 

Wie wir einen Zugang zu komplexeren lyrischen Texten finden können und wie wir uns diese Texte erschließen, werden wir vor allem am Beispiel Liebeslyrik erarbeiten. 

 

Und übrigens: Ein Endreim ist ein mögliches, aber kein notwendiges Kriterium für einen lyrischen Text. 

Materialien zum Download

Arbeitsblatt zum Gedicht "Der Panther"
TK4_5_Panther_Analyse_140129.docx
Microsoft Word Dokument 28.0 KB
Textbeispiel: Sachliche Romanze von Kästner
Beispiel für eine Texterschließung und Textanalyse / Textinterpretation
TK4_2_Textanalyse Muster Kästner.docx
Microsoft Word Dokument 37.1 KB
Analyseleitfaden lyrische Texte
Leitfaden für die Analyse lyrischer Texte
TK4_3_Analyseleitfaden_140115.docx
Microsoft Word Dokument 23.3 KB
Grundbegriffe Lyrik
Grundbegriffe, die wir für die Analyse lyrischer Texte (und anderer Texte) benötigen
TK4_4_Grundbegriffe Lyrik 140115.docx
Microsoft Word Dokument 47.3 KB