Der Ton als gestalterisches Element

Allgemeines

Ton, Geräusche und Musik scheinen auf den ersten Blick in einem Film nicht so wichtig zu sein, weil die Bilder zu dominieren scheinen. In Wirklichkeit haben sie aber einen sehr großen Einfluss auf die erzählerische Aussage und auf die emotionale Wirkung eines Films. So ist es kein Wunder, dass in professionell gemachten Filmen dem Ton sehr große Aufmerksamkeit geschenkt wird. So waren für den Film "Titanic" allein 150 Menschen mit dem Sounddesign beschäftigt.


Dass Filmaufnahmen eine nur beschränkte Wirkung haben, wenn sie völlig "stumm" sind, ist schon in der Stummfilmzeit klar. Daher werden Filme - schon um die den Bildeindruck störenden ziemlich lauten Projektor-Geräusche zu überlagern - von Life-Musik, meistens von einem Klavier, teilweise aber auch von ganzen Orchestern, begleitet. Schon von Anfang an ist es aber auch Ziel, die Stimmung, die der Film vermitteln möchte, durch entsprechende Musikbegleitung zu verstärken. Teilweise gibt es sogar eigens für die Filmbegleitung komponierte Musik, so genannte Stummfilmpartituren.


Aber erst der Tonfilm schafft die Voraussetzungen für den modernen Ton- und Musikeinsatz im Film. Als erster richtiger Tonfilm gilt der Film "Jazz Singer" aus dem Jahr 1927. In den 30er-Jahren wird der Tonfilm zum Standard. Für jeden Film wird schon bald eine individuelle Filmmusik kreiert. Bildaufnahmen werden im Nachhinein im Studio vertont. Das heißt: die Dialoge werden nachgesprochen, Umweltgeräusche werden hinzugefügt und schließlich wird der gesamte Film mit Filmmusik unterlegt.

In der Zwischenzeit sind längst eigene Sprach-, Geräusch- und Musikcodes entstanden, die dem Filmpublikum vertraut erscheinen und auf die es reagiert. Kreative Filme spielen nicht selten mit der Erwartungshaltung des Publikums, beispielsweise indem sie diese "stören".


Element 1: Sprache, Figurenrede

Das, was Figuren sagen, und vor allem wie sie es sagen, ist wesentliches Element jedes Films. Dabei spielen Sprechtempo, Stimmführung, Tonlage, ... eine zentrale Rolle. Gute SchauspielerInnen müssen deshalb auch gut geschulte SprecherInnen sein.

Eine Herausforderung für jedes Filmteam ist die Synchronisation eines Films in eine andere Sprache. Die Stimme des Synchronsprechers / der Synchronsprecherin muss psychologisch zur Figur passen, der er / sie seine Stimme verleiht, sonst wirkt der Film unglaubwürdig. Wichtig ist außerdem, dass die Lippenführung der Figur möglichst gut zu dem passst, was ihr im Nachhinein "in den Mund gelegt wird". Nur sehr selten gelingt eine perfekte Synchronisation.


Neben der direkten Figurenrede (Monolog, Dialog, ...) kennt der Spielfilm auch die Stimme aus dem Off. Sie kann beispielsweise eingesetzt werden, um das im Bild gezeigte zu kommentieren oder um eine Rückblende oder einen Traum kenntlich zu machen.

Element 2: Geräusche

Erst durch die Geräusche, deren Quellen im Bild sichtbar sind, entsteht beim Zuschauer auch ein Realitätsempfinden für die Szene, die er betrachtet.


Daneben gibt es auch Geräusche, deren Quellen im Bild selbst nicht sichtbar sind, die ein Bild also quasi ersetzten oder erweitern. So können Geräusche auf dem Off als "Gefahrensignale" eingesetzt werden oder sie können ein Bild kontextuieren, also dem Zuschauer signalisieren, in welchem Umfeld eine Szene stattfindet.

Element 3: Musik

Musik in Filmen wird vor allem motivisch und leitmotivisch eingesetzt. So können bestimmte Musiksequenzen mit bestimmten Figuren oder mit bestimmten inhaltlichen Momenten verknüpft sein. Berühmt geworden ist beispielsweise das Leitmotiv in "Spiel mir das Lied vom Tod".


Teilweise zitieren Musik bekannte Musikstücke aus anderen Filmen oder aus der Musikwelt, um eine Szene in einen bestimmten Kontext zu stellen. Teilweise werden Musikstücke für den Film eigens "vereinfacht", sodass sie "eingänglicher" werden, die ZuschauerInnen aber dennoch an die Originalmusik erinnern.


Da Musik eine starke Wirkung auf unser emotionales Befinden hat, wird Musik vor allem eingesetzt, um die beabsichtigte emotionale Reaktion von ZuschauerInnen zu steuern. Musik kann beispielsweise beruhigend, anregend, spannend, gruselig etc. wirken.