Das Genre Krimi

Einer der ältesten Krimis der Weltliteratur ...

Und Adam erkannte sein Weib Eva, und sie ward schwanger und gebar den Kain und sprach: Ich habe einen Mann gewonnen mit dem HERRN. Und sie fuhr fort und gebar Abel, seinen Bruder. Und Abel ward ein Schäfer; Kain aber ward ein Ackermann. Es begab sich nach etlicher Zeit, dass Kain dem HERRN Opfer brachte von den Früchten des Feldes; und Abel brachte auch von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett. Und der HERR sah gnädig an Abel und sein Opfer; aber Kain und sein Opfer sah er nicht gnädig an. Da ergrimmte Kain sehr, und seine Gebärde verstellte sich. Da sprach der HERR zu Kain: Warum ergrimmst du? und warum verstellt sich deine Gebärde?  Ist's nicht also? Wenn du fromm bist, so bist du angenehm; bist du aber nicht fromm, so ruht die Sünde vor der Tür, und nach dir hat sie Verlangen; du aber herrsche über sie. Da redete Kain mit seinem Bruder Abel. Und es begab sich, da sie auf dem Felde waren, erhob sich Kain wider seinen Bruder Abel und schlug ihn tot. Da sprach der HERR zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel? Er sprach: Ich weiß nicht; soll ich meines Bruders Hüter sein? Er aber sprach: Was hast du getan? Die Stimme des Bluts deines Bruders schreit zu mir von der Erde. Und verflucht seist du auf der Erde, die ihr Maul hat aufgetan und deines Bruders Blut von deinen Händen empfangen. Wenn du den Acker bauen wirst, soll er dir hinfort sein Vermögen nicht geben. Unstet und flüchtig sollst du sein auf Erden. Kain aber sprach zu dem HERRN: Meine Sünde ist größer, denn dass sie mir vergeben werden möge.  Siehe, du treibst mich heute aus dem Lande, und ich muss mich vor deinem Angesicht verbergen und muss unstet und flüchtig sein auf Erden. So wird mir's gehen, dass mich totschlage, wer mich findet. Aber der HERR sprach zu ihm: Nein; sondern wer Kain totschlägt, das soll siebenfältig gerächt werden. Und der HERR machte ein Zeichen an Kain, dass ihn niemand erschlüge, wer ihn fände.  Also ging Kain von dem Angesicht des HERRN und wohnte im Lande Nod, jenseit Eden, gegen Morgen, (Buch Genesis)

Diesen Text, der aus dem Alten Testament stammt, könnten wir als "ersten Krimi" der Literaturgeschichte betrachten. Denn er hat schon viele wesentliche Merkmale des Genres Krimi:

 

  • Es gibt ein Verbrechen (im Normalfall: einen Mord / ein Tötungsdelikt) mit einem Opfer und einem Täter
  • Er gibt  ein Tatmotiv
  • Es gibt einen "Kommissar", der das Verbrechen aufklärt und den Täter überführt
  • Der Täter wird für seine Tat zur Rechenschaft gezogen. Das Verbrechen wird gesühnt. Und die "alte Weltordnung" ist so im Wesentlichen wieder hergestellt. 

Allerdings fehlen auch noch ein paar Elemente, die für moderne Kriminalromane typisch sind. Vor allem ist das der Spannungsbogen, der den Leser an der Seite des Ermittlers Hypothesen prüfen und dem Täter nachspüren lässt. 

einige Elemente des Kriminalromans im Überblick

Der Begriff "Kriminalroman"

Der Begriff "Kriminalroman" setzt sich aus "Roman" und "Krimi" zusammen.

 

Ein Roman ist ein umfangreicher erzählender Text, der durch epische Breite charakterisiert wird. Damit ist gemeint, dass es sich bei einem Roman immer um einen Text handelt, in dem Details (z. B. der Handlungsraum, die Figuren, das Geschehen) sehr genau und detailliert geschehen werden. Dadurch wird Spannung erzeugt, die dem Leser die Identifikation mit dem Protagonisten möglich macht und die ihn "in die Geschichte hineinziehen soll". Außerdem gibt es in Romanen meistens einen längeren Handlungszeitraum. Das können - je nachdem - mehrere Wochen ode sogar mehrere Jahre sein. Außerdem werden oft mehrere Handlungsstränge ineinander verwoben. Auch das trägt zur Länge bei. 

 

Der Begriff "Krimi" kommt vom Lateinischen "crimen". Das bedeutet so viel wie "Verbrechen". Und ein Verbrechen steht ja im Normalfall im Mittelpunkt eines Kriminalromans. 

 

 

der Handlungskern

Im Mittelpunkt des Romans steht ein Kriminalfall, also ein Verbrechen. Am besten ist es, wenn es gleich am Anfang eine Leiche gibt, aber (zunächst einmal) keinen Täter. Noch besser ist es, wenn außerdem unklar ist, wie das arme Opfer vom Diesseits ins Jenseits befördert worden ist (Tathergang) und warum das passiert ist (Unfall oder Mord? Tatmotiv? Tatverdächtige?) Eine gute Variante ist auch, wenn es jemanden gibt, der sich als vermeintlicher Täter (am besten ein Außenseiter oder sonst eine zwielichtige Gestalt) anbietet. Denn dann müssen wir als LeserInnen gemeinsam mit dem ermittelnden Detektiv natürlich davon ausgehen, dass hier etwas nicht ganz stimmen kann. Denn sonst wäre der Krimi ja zu Ende, bevor er begonnen hätte. Wir müssen in diesem Fall also davon ausgehen, dass der Beschuldigte in Wirklichkeit keinesfalls der Täter sein kann, und uns gemeinsam mit dem Detektiv auf die Suche nach dem wirklichen Täter und seinen Motiven gehen. Und so kann die Geschichte dann ihren Lauf nehmen. 

 

 

Raum und Zeit, Milieu

Wie sich diese Suche gestaltet, ist natürlich von Text zu Text verschieden. Denn das hängt von ganz unterschiedlichen Faktoren ab. Beispielsweise ...

  • von der Zeit, in der die Geschichte spielt (in einem Mittelalter-Krimi gibt es natürlich andere Ermittlungsmethoden als im 21. Jahrhundert)
  • vom Milieu, in dem die Geschichte spielt (in der Banker-Szene wird natürlich anders ermittelt als im Mafia-Millieu oder in der Unterwelt)
  • von der Figur des Ermittlers (Detektiv) und seiner Persönlichkeit (Ist er ein Denker und Tüftler? Ist er ein Muskelprotz, der mit Leuten, die ihm in die Quere kommen, "kurzen Prozess macht"? Ist er ein angesehener Polizei-Kommissar? Oder ist er selbst ein Außenseiter, beispielsweise ein Ex-Polizist mit einem Alkohol-Problem?)
  • von der Erzählweise und der "Handschrift" des Autors (Begnügt er sich damit, einfach eine spannende Geschichte nach einem altbekannten Muster zu erzählen? Handelt es sich um die 63. Version eines Jerry-Cotton-Heftchen-Romans, die alle nach demselben Strickmuster funktionieren? Oder möchte der Autor dem Leser - quasi nebenbei - auch fachliches Wissen zu einer bestimmten Thematik mit auf den Weg geben? Für einen solchen "Mehrwert" In Frage kämen beispielsweise historische Themen, Wissen über Täter-Psychologie, Hintergründe über wirtschaftliche Miss-Stände oder soziale Probleme. Möchte der Autor einfach die Erwartungen des Lesepublikums erfüllen? Oder bricht er mit diesen Erwartungshaltungen, indem er im Krimi etwas passieren lässt, was normalerweise nicht der Fall sein sollte? Beispielsweise könnte er auf die Idee kommen, den Detektiv scheitern zu lassen, sodass das Verbrechen am Ende unaufgeklärt bleibt. Oder er könnte gleich am Anfang klarstellen, wer das Verbrechen begangen hat und warum. Dann könnte er sich auf andere Fragen konzentrieren, weil das eigentliche Spannungselement sich ja in Luft aufgelöst hat.

 

Die Figur des Detektivs / des Ermittlers

Es gibt eine unüberschaubare Zahl ganz berühmter Krimi-Detektive, die inzwischen zu Klassikern geworden sind. 

 

Dazu zählen zum Beispiel

 

  • William von Baskerville
  • Hans Bärlach
  • C. Auguste Dupont
  • Polonius Fischer 
  • Regina Flint
  • Sherlock Holmes
  • Maria Kallio
  • Kemal Kayankaya
  • Jules Maigret
  • Jane Marple
  • Herkule Poirot
  • Gerhard Selb
  • Tabor Süden
  • Wachtmeister Studer
  • Kurt Wallander

 

Kannst du die Detektiv-Figuren auf den Bildern identifizieren? 


Arbeitsaufgaben

A1: Analysiere die Geschichte von Kain und Abel nach dem Krimi-Schema (Handlungszeit und Raum, Milieu, Handlung, Täter - Opfer - Ermittler, Tat samt Tatmotiv und Tatwaffe, Aufklärung des Falls und "Wiederherstellung der alten Ordnung" durch Bestrafung des Täters (stichwortartige Übersicht)

 

A2: Entwirf selbt einen Handlungskern (Inhaltsangabe) für einen Krimi (Dornbirn-Krimi). Kläre nach dem Krimi-Schema folgende Punkte

  • Handlungszeit und Raum; wichtige Handlungsorte: Wann und wo spielt der Krimi? In welchem Milieu spielt der Krimi
  • Handlung: Wie ist das Opfer gestorben? Was war die Tatwaffe? Wie klärt der Detektiv den Fall? Wer ist der Täter? Aus welchem Tatmotiv hat er gehandelt? 
  • Figuren-Psychologie: Wer ist das Opfer? Wer ist der Ermittler? Wer ist schlussendlich der Täter? 
  • Wie wird die alte Ordnung wieder hergestellt? 

A3: Entwirf einen Einstieg in einen Krimi. Stell dabei den Handlungsort und die Handlungszeit vor. Führe den Detektiv ein und stelle ihn vor. Konfrontiere den Leser mit der Tat / dem Opfer.

 

A4: Suche aus der oben stehenden Liste eine "alte" und eine "moderne" Detektiv-Figur aus. Recherchiere, in welchem Krimi / in welchen Krimis sie eine Rolle spielen. Arbeite ein paar Persönlichkeitsmerkmale heraus. Suche ein paar Informationen über die AutorInnen.