Vergleich Trivialliteratur - anspruchsvolle Literatur

Der Begriff "Trivial" Trivialliteratur

"Trivial" bedeutet so viel wie gewöhnlich, wenig anspruchsvoll, klischeehaft.

Wenn wir von Trivialliteratur sprechen, meinen wir also meistens Texte, die nach einem bestimmten vorgegebenen Schema ohne viel Engagement des Autors verfasst worden sind. Der Autor (oder die Autorin) hat ein grundlegendes Handlungsmuster und ein nach bestimmten meist eher oberflächlichen Merkmalen definiertes Figurenrepertoire, das sie einsetzt. Variiert wird nur die Oberfläche.

 

Trivialliteratur möchte die LeserInnen einfach unterhalten. Die LeserInnen kennen die Grundmuster, nach denen die Texte funktionieren. Sie wissen, was sie beim Lesen erwartet. Und sie müssen nicht mit Irritationen oder "bösen Überraschungen" rechnen.

 

Demgegenüber möchte anspruchsvollere  Literatur nicht einfach nur Unterhaltung bieten. Sie möchte díe LeserInnen zum Nachdenken bringen und Klischees, Stereotype oder Vorurteile eher hinterfragen als verstärken.  Oder sie möchte - quasi nebenbei - Hintergrundinformationen z. B. über geschichtliche Ereignisse oder politische Probleme vermitteln.

 

In der Praxis gibt es natürlich ein breites Feld zwischen sehr klischeehaften Texten (beispielsweise so genannten Heftchen-Romanen) und sehr anspruchsvollen Texte, die aber oft das Problem haben, dass sie LeserInnen überfordern.

  • Die Geschichte läuft praktisch immer nach dem selben Schema ab: Die Leiche ist da, der Krimi kann beginnen: Der Lösung des Falls gehen Spurensuche und Verhöre voraus. Die Überführung des Täters gelingt nach anfänglichen Verwicklungen mittels einer Falle. Nach einer spannenden Jagd wird der Verbrecher meist getötet.
  • Der Mord wird durch Einzelarbeit des Helden aufgeklärt - oft wird die Polizei als dumm dargestellt (Das steht natürlich in krassem Gegensatz zur Realität, in der Polizeiarbeit v. a. Teamarbeit ist und zur Lösung eines komplexen Falls Teams mit bis zu hundert Fachkräften arbeiten)
  • In trivialen Kriminalromanen geht es praktisch ausschließlich um Morde. In der realen Arbeit hat die Kriminalpolizei v. a. mit Eigentumsdelikten und Wirtschaftskriminalität zu tun (geringe Aufklärungsquote, wenig spektakulär, schwer nachzuvollziehen)
  • Handlungsort ist meist eine große Stadt in Amerika (New York, Chicago, ...) Rauschgifthandel und Mord sind die häufigsten Delikte. Die Darstellung der Handlungsorte ist sehr schemenhaft und im Prinzip austauschbar. Sie hat keine Eigenqualität
  • Die Personendarstellung ist relativ flach, d. h: Es gibt zwei klare Lager: Der/die Verbrecher und der Detektiv (und seine Helfer) (Schwarz - Weiß - Zeichnung der Figuren) Diese lassen sich durch wenige eindeutige Attribute in Bezug auf Verhalten, Aussehen, Sprache, .... leicht und schnell zuordnen (flache Charakterisierung). Brüche kommen nicht vor. Die Personen machen keinerlei Entwicklung/Veränderung durch (statische Personenzeichnung). Das Verhalten der Personen ist rein dem Erzählziel untergeordnet und psychologisch wenig glaubwürdig.
  • Die Sprache in Heftchenromanen wird als Aktionssprache bezeichnet. Damit ist gemeint, dass Sprache ausschließlich dazu dient, Handlung zum Ausdruck zu bringen
    Die Sprache ist darüberhinaus klischeehaft (gleiche, starre Sprachformen), stereotyp (häufige Wiederholungen, Phrasen, die immer wieder vorkommen), grammatisch simpel (Einfache Sätze, einfache Satzmuster, oft „Stummelsätze“)
    Die sprachlichen Bilder (Metaphern) stimmen in der Regel nicht.

 

Ähnliche Strickmuster gibt es auch für Liebesromane, Science-Fiction-Romane, Horror­romane, .......

 

Von Literaturkritikern wird nicht das Genre als solches kritisiert, sondern vor allem die massenhaft aufgelegten, immer nach dem selben Muster praktisch am Fließband produzierten Serien, die dem Leser keine Überraschungen bieten und an den Leser praktisch keine Herausforderungen stellen.

 

Es wird auch kritisiert, dass diese Serien oft Vorurteile und Stereotype zusätzlich betonieren. Zum Beispiel stammen Verbrecher oft aus ohnedies mit Vorurteilen belasteten sozialen Randschichten (Schwarze, Asiaten), auf die Hintergründe und die sozialen Ursachen von Kriminalität wird nicht eingegangen. In Liebesromanen folgt die Darstellung beispelsweise überkommenen Rollenklischees aus dem 19. Jh.: Schöne, charakterlich vollendete aber ziemlich dumme Frau findet endlich den beruflich erfolgreichen Traumprinzen, Arzt, ..., der ihr die Liebe schenkt, die sie verdient, und zu dem sie dafür den Rest ihres Lebens aufblicken darf.


Trivialliteratur gibt es in unterschiedlichen Genres. Beliebt bei Frauen sind angeblich v.a. Liebesromane (Arztromane, Grafenromane, ....). Männer bevorzugen vielleicht eher Western-Romane oder Kriminalromane nach dem Action-Schema. Diesem Schema folgen die Harry-Potter-Romane.

 

 

 

Was sind typische Merkmale trivialer Literatur?

Arbeitsauftrag

A1: Triviale Erzählmuster am Beispiel Jerry Cotton
Das Arbeitsblatt hilft dir, triviale Erzählmuster in literarischen Texten zu erkennen und zu beschreiben.
triviallit_üe_sprachmuster.docx
Microsoft Word Dokument 20.5 KB

A2: Suche im Internet nach Cover-Beispielen für Jerry-Cotton-Romane und Jerry-Cotton-Roman-Verfilmungen. Beschreibe eines dieser Cover und erkläre, was typisch für die Cover-Gestaltung ist (Aufbau des Bildes, Bildmotiv, Farbgestaltung, ...) Was sichert den "Wiedererkennungswert" der Reihe?