Erich Kästner: "Sachliche Romanze"

Erich Kästner: Sachliche Romanze

 

Als sie einander acht Jahre kannten

(und man kann sagen, sie kannten sich gut),

kam ihnen plötzlich die Liebe abhanden.

Wie anderen Leuten ein Stock oder Hut.

 

Sie waren traurig, betrugen sich heiter,

versuchten Küsse, als ob nichts sei,

und sahen sich an und wussten nicht weiter.

Da weinte sie schließlich. Und er stand dabei.

 

Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken.

Er sagte, es wäre schon Viertel nach Vier

und Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken.

Nebenan übte ein Mensch Klavier.

 

Sie gingen ins kleinste Cafè am Ort

und rührten in ihren Tassen.

Am Abend saßen sie immer noch dort.

Sie saßen allein und sie sprachen kein Wort

 

und konnten es einfach nicht fassen.

 

 

Zum Nach- und Weiterdenken ...

 

A1: Arbeitsaufgaben zum Text:

 

  1. Formuliere ein paar Gedanken zum Gedicht "Sachliche Romanze" von Erich Kästner.
  2. Der Titel "Sachliche Romanze" ist eigentlich ein Widerspruch in sich. Warum? Wie passt der Titel zum Inhalt des Textes?
  3. Die Situation der "abhanden gekommenen Liebe" wird im Text in vielen Bildern dargestellt. Welche Bilder sind dies? Was drücken die Bilder aus?
  4. Der Text ist ein Gedicht, also ein lyrischer Text. Woran kann man dies erkennen?

 

A2: Arbeitsaufgaben zur Vertiefung. Wähle eine der folgenden Aufgabenstellungen aus:

 

  1. Gestalte szenische Bilder zu diesem Gedicht (Fotoapparat!). Montiere die Bilder und den Text in einer Collage / Fotostory aneinander.
  2. Lass eine der Figuren - nehmen wir an, es handle sich um einen Mann und eine Frau - in einem Brief von der Entfremdung, vom Ende der Liebe, von diesem Nachmittag erzählen. Es geht vor allem darum, die Stimmung, die in diesem Gedicht deutlich wird, "einzufangen".
  3. Verfasse einen Gegentext vom Anfang der Liebe. Der Text muss kein Gedicht sein. Achte aber darauf Gegenbilder einzusetzen, die die Stimmung des frischen Verliebt-Seins einfangen.

 

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