Textsorte Meinungsrede

Merkmale Meinungsrede

Definition

 

Eigentlich ist eine Rede ein mündlicher und kein schriftlicher Text. Allerdings gibt es teilweise von Reden auch schriftliche Fassungen („Druckfassung“, „Manuskript“). Meistens sind diese inhaltlich und sprachlich nochmals überarbeitet; sie behalten aber den starken direkten Adressatenbezug der mündlichen Rede bei.

Für eine Rede gibt es im Normalfall einen konkreten Redeanlass und einen Kontext, auf den Rücksicht genommen werden sollte. Deshalb ist es wichtig, den Rahmen im Vorfeld abzuklären und auf ihn bei der Konzeption der Rede Rücksicht zu nehmen: In welchem Rahmen halte ich meine Rede (Debatte, Feier, Eröffnung, Abschluss)? Wer ist mein Publikum (Experten, Laien, Erwachsene, Kinder)? Mit welcher Erwartungshaltung begegnet mir mein Publikum (Wohlwollen, Skepsis, Langeweile)? Welche Ziele möchte ich bei meinem Publikum erreichen (Überzeugung, Begeisterung, Irritation, Provokation, …)

Da es in einer Rede eine direkte Beziehung zwischen Publikum und RednerIn gibt, ist die dialogische Konzeption auch ein wichtiges (eher sogar: das wichtigste) stilistisches Merkmal einer Rede. Es geht darum, das Publikum direkt anzusprechen und einzubeziehen (und nicht über die Köpfe der Menschen hinwegzureden).

 

Inhaltliche Qualitätsmerkmale der Rede (Grundsätzliches)

  • fundierte Sachkenntnisse und nachvollziehbare, anschauliche Beschreibung von Sachverhalten in beschreibenden Abschnitten; Beispiele und Bilder sind fundamental; abstrakte Beschreibungen ermüden ZuhörerInnen und führen dazu, dass ZuhörerInnen abschalten
  • argumentative Pointiertheit in argumentativen Phasen; im Vergleich zu einer Erörterung darf die Argumentation zugespitzt, teilweise auch etwas vereinfacht sein
  • Verwendung rhetorischer Stilmittel (z.B. Vergleich, Metaphern, Steigerung [hoch, höher, am höchsten], Gegensätze = Antithesen, …)
  • Adressatenbezug: das Publikum möchte angesprochen werden; rhetorische Fragen; direkte Anrede der ZuhörerInnen
  • Konzentration auf eine überschaubare Anzahl von (drei bis fünf) Kernbotschaften; diese dürfen mehrmals wiederholt werden!
  • Eine mündliche Rede verträgt im Vergleich zu einem schriftlichen Text ein höheres Maß an Redundanz (Wiederholung, Veranschaulichung, …)

 

Typische Stilmittel der Rede

Eine Rede ist eine mündliche Textsorte. Die Rezipienten hören den Text. Sie müssen Schritt für Schritt der Darlegung folgen können. Daher muss die Rede sprachlich einfach sein. Dafür gibt es folgende Grundsätze:

  • Einfacher Satzbau. Hauptsatz-Stil. Parataktischer Stil (Aneinanderreihen von Hauptsätzen) Maximal ein Nebensatz pro Hauptsatz. Kurze Sätze.
  • Subjekt und Prädikat (Aussage!) an den Anfang des Satzes.
  • Wichtige Informationen an den Anfang des Satzes.
  • Die Sinne ansprechen; Anschaulichkeit: Bilder, Vergleiche, Gedankenexperimente (Stellen wir uns vor …)
  • Elemente, die die Gefühle der ZuhörerInnen ansprechen
  • Witziges (Sprachwitz, Vergleiche, Spielereien) sind erwünscht (ist aber auch ein bisschen situationsabhängig)
  • Dialogische Elemente; mit dem Publikum sprechen (Anrede, rhetorische Fragen, Dank an ZuhörerInnen, „WIR“ ßà „SIE“/“IHR“)
  • Der Aufbau ist ganz wichtig; die Meinungsrede müssen wir auf die Schlusserkenntnis hin und auf den Schluss-Appell hin komponieren; wir müssen das Publikum zur Konklusion hinführen.

 

Typischer Aufbau einer Rede

  • Nachvollziehbarer Roter Faden ist zentral
  • Auf den Schluss hin komponiert
  • Einstieg, der Interesse weckt / neugierig macht / Überraschendes birgt (Witz, Sprachspiel, ...)

 

Grundkomposition // Teile

Einleitung:

  •  Kontaktaufnahme mit dem Publikum; Wertschätzung des Publikums
  • Eigener Zugang zum Thema; eigene Perspektive auf das Thema; eigener Hintergrund
  • Überblick über Inhalte und Zielsetzungen der Rede

 Hauptteil:

  • Entwicklung des eigenen Themas anhand eines roten Fadens; Betonung und Hervorhebung von Kernaussagen und zentralen Erkenntnissen / Positionen
  • Beschränkung auf wenige Kerngedanken, die entsprechend ausgebaut / differenziert dargelegt werden
  • Im Unterschied zu einer schriftlichen Diskussion (Erörterung) kann eine entwickelnde argumentative Darlegung (die These wird von konkreten Beispielen ausgehend entwickelt; sie wird erst am Ende des Arguments angeführt) ein spannungsförderndes Element sein.

 Schluss:

  • Abrundung, Resümee, Appell, …
  • Dank ans Publikum

 

 Aufbau einer Rede: Grundmuster / Teile (antike Rhetorik; Gerichtsrede, politische Rede)

  • Proemium = Einleitung Kontakt mit dem Publikum herstellen; Neugierde wecken
  • Narratio = Situation / Sachverhalt darlegen.
  • Proposito = Gliederung. Übersicht über die Beweisführung / Argumentation (Ich werde beweisen, dass … // Ich werde erklären, warum … ; Generalthese)
  • Argumentation = argumentative Beweisführung. Zwei Möglichkeiten: gegnerische Argumente widerlegen = confutatio; die eigene Position argumentativ beweisen = confirmatio
  • Conclusio = Schlussfolgerung = Resümee: das, worauf die ganze Rede hinauslaufen soll. Das, was die ZuhörerInnen am Ende denken / glauben / verstehen sollen; Appell

 

 Unterschiedliche Formen der Rede

  • Politische Rede, z. B. Wahlkampf-Rede, „Rede an die Nation“, Debatten-Beitrag;… // Gerichtsrede (Verteidigung, Anklage), Festrede (Abschiedsrede, Trauerrede, Eröffnungs-Rede, Weihnachtsansprache oder Neujahrsansprache des Bundespräsidenten; Predigt …
  • Je nach Redeform kann der beschreibende Charakter oder der argumentative Charakter im Vordergrund stehen;  je nach Redeform ist der Grundton eher sachlich, eher hurmorvoll-pointiert, eher angriffig-provokativ uam

  

Erarbeitungsschritte     

 

Planungsphase

Schritt 1: Klären der Aufgabenstellung und der Rahmenbedingungen (Was wird von mir erwartet?)

Schritt 2: Klären der eigenen Zielsetzung (Was will ich erreichen?)

Schritt 3: Ideensammlung (zentral!!!!); Beispiele, Bilder, Zitate, Aphorismen, Witze, ….

Schritt 4: Ideenkonzentration; zentrale Fragestellung definieren und zentrale Kernthesen entwickeln à Hauptteil

Schritt 5: Einleitung überlegen; die Einleitung ist nicht nur Vorbereitung für den Hauptteil; ob ein Publikum gewonnen werden kann, entscheidet sich spätestens mit dem dritten Satz! Ein pointierter kreativer Einstieg, der neugierig macht, ist deshalb unabdingbar!

Schritt 6: Redekonzept / Fahrplan erstellen (stichwortartig; Mindmap)

 

Schreibphase

Schritt 7: Verschriftlichung; Reinschrift; Umsetzung des Konzepts

 

Überarbeitung

Schritt 8: Überarbeitung; inhaltliche und sprachliche Optimierung

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Ähnliche Textsorten     

  • Statement / Stellungnahme (z. B. Stellungnahme einer Politikerin im Rahmen einer Fernsehdokumentation; Stellungnahme des GEO bei der Hauptversammlung der Aktionäre),
  • Plädoyer (z. B. Gerichtsverhandlung),
  • Debattenbeitrag (z. B. im Parlament oder bei einer Bürgerversammlung);