Wenn wir einen Inhalt neutral wiedergeben ...

Beschreiben (Deskription) als Schreibhaltung ...

Manchmal müssen wir Tatsachen oder Sachverhalte in Form eines Textes wiedergeben. Dafür müssen wir eine beschreibende oder deskriptive (von lat. describere = beschreiben) Schreibhaltung einnehmen. 


Dabei gibt es unterschiedliche Möglichkeiten: 


  • Bericht: Wenn wir ein einmaliges Ereignis, beispielsweise einen Unfall (Unfallbericht), zusammenfassend beschreiben, sprechen wir von einem Bericht.
    Eine Sonderform des Berichts ist der Zeitungsbericht. Er orientiert sich an den berühmten 7Ws (Wer machte WAS WANN WO WIE WARUM und mit WELCHEN FOLGEN). 
    Eine andere speziell Form des Berichts ist das Protokoll. Dabei fassen wir eine Besprechung, eine Sitzung, eine Unterrichtsstunde oder etwas Ähnliches zusammen. Dabei ist es vor allem wichtig, Redebeiträge und Vorfälle festzuhalten. Mitprokolliert werden z. B. auch alle politischen Sitzungen im Parlament, im Landtag oder im Gemeinderat. Man kann zwischen Verlaufsprotokoll (alles wird in chronologischer Reihenfolge festgehalten) und Ergebnisprotokoll (nur ganz wichtige Beiträge und v. a. Ergebnisse / Beschlüsse werden festgehalten) unterscheiden. 

  • Beschreibung: Wenn wir einen Gegenstand (z. B. ein Bild, eine Wohnung, ein Möbelstück), einen Vorgang (Spaghetti kochen), einen Sachverhalt (Legasthenie), ein Lebewesen (Tier, Person) etc. in einem Text darlegen, sprechen wir von einer Beschreibung. 

  • Zusammenfassung (Matura)  Bei einer Zusammenfassung geht es darum, die zentralen inhaltlichen Aussagen (Kernaussagen) eines Sachtextes (z. B. eines Zeitungskommentars, eines Interviews, eines Fachartikels, ...) in eigenen Worten und in einer eigenen sinnvollen Struktur wiederzugeben. 
  • Inhaltsangabe: Eine Inhaltsangabe ist eine Sonderform einer Beschreibung. Es geht darum, die Handlung eines literarischen Textes, eines Spielfilms oder eines Theaterstücks - also das, was passiert - zusammenzufassen. Eine Inhaltsangabe ist also eine Sonderform einer Zusammenfassung. 



Abb.: Beschreiben in unterschiedlichen Textsorten. Überblick
Abb.: Beschreiben in unterschiedlichen Textsorten. Überblick

Außerdem brauchen wir das Beschreiben - gemeinsam mit anderen Schreibhaltungen wir Argumentieren oder Bewerten - auch in vielen anderen Textsorten. Bei der Meinungsrede müssen wir z. B. üblicherweise zunächst einmal eine Situation beschreiben, bevor wir sie bewerten oder dazu argumentativ Position beziehen können. 

Wichtige Qualitätsmerkmale beim Beschreiben ...

Wenn wir etwas Beschreiben, geht es vor allem und in erster Linie um inhaltliche Richtigkeit. Sie ist in jedem Fall wichtiger als "Schönheit". 


Zentrales Qualitätsmerkmal ist daher vor allem die sprachliche Genauigkeit. Das betrifft sowohl die Ebene des Begriff (exakte Begriffe), aber auch die Ebene des Satzes (grammatische Korrektheit) und die Ebene des Textes (korrekte Gliederung bzw. Struktur). 


Weitere Qualitätsmerkmale sind eine möglichst gute Verständlichkeit und Anschaulichkeit. Dafür hat die Sprachwissenschaft vier zentrale Kriterien entwickelt, die man auch die "vier Verständlichmacher" nennt: 

  • möglichst einfache Formulierungen (einfache Begriffe, kurze Aussagesätze nach dem Schema A macht x; Hauptsache im Hauptsatz; maximal eine Nebenaussage im Nebensatz; Aktiv ist besser als Passiv)
  • möglichst gute Gliederung (Vom Überblick zum Detail; von außen nach innen; vor vorne nach hinten; vom Allgemeinen zum Besonderen) mit Absätzen und Zwischenüberschriften; logische Zusammenhänge sichtbar machen (zuerst, dann, schließlich; einerseits - andererseits)
  • optimale, an die Textsorte und an die Aufgabenstellung angepasste Länge (Zusammenfassung: knapp; keine Wiederholungen; nichts Überflüssiges <-- --> Meinungsrede: Wiederholung von Kernaussagen)
  • optimale, an die Textsorte und an die Aufgabenstellung angepasste anregende Zusätze wie Beispiele, Vergleiche, ... (Zusammenfassung: keine anregenden Zusätze <--> Meinungsrede: viele Vergleiche, Beispiele, Gedankenexperimente, ...) 

Wie genau eine Beschreibung sein muss und was die zentralen Elemente sind, die wir beschreiben müssen, hängt natürlich vor allem vom Zweck ab. Eine Vermisstenanzeige oder ein polizeilicher Steckbrief unterscheidet sich hier selbstverständlich ganz wesentlich von einem Kompetenzen-Profil im Rahmen eines Bewerbungsverfahrens oder von einer Selbstbeschreibung auf einer online-Partnerbörse oder von der Personenbeschreibung im Rahmen einer Festrede zum 65. Geburtstag oder von einem Nachruf auf eine verstorbene Person. 

Objektivität als Schlüsselelement

Wenn wir beschreiben, geht es in der Regel um eine objektive Darlegung. Das heißt, im Mittelpunkt steht der Inhalt oder der Sachverhalt, um den es geht. Ihn gilt es möglichst sachlich und korrekt mithilfe von Sprache abzubilden. Es geht nicht um die eigene Sichtweise oder um die eigene Meinung. Oder in anderen Worten: unsere subjektive Sichtweise hat in einer Beschreibung im Normalfall keinen Platz.


Deshalb sollte wir bestimmte Formulierungen normalerweise auch vermeiden: 

  • Aussagen, die eine persönliche Haltung spiegeln: Ich meine, für mich, ....
  • Adjektive, in denen eine subjektive Bewertung "mitschwingt" 
  • Fragen (auch rhetorische Fragen) und Aufforderungen; allerdings: Fragen können auch als Zwischenüberschriften Gliederungsfunktion haben. Dann sind sie erlaubt.  
  • Spannungswörter und Interjektionen 


Wichtig ist es auch, dass ein Leser fremde Aussagen, die du neutral wiedergibst, als solche erkennen kann. Dafür ist die richtige Verwendung des Konjunktiv sehr wichtig. Beachte z. B. den Unterschied zwischen den beiden Aussagen "Er sagt, ich bin faul" <--> "Er sagt, ich sei faul". 


Allerdings: völlig wertfreies und objektives Schreiben ist in der Praxis nicht möglich. Es geht um eine erkennbare Tendenz in diese Richtung. 

Internetlinks

Arbeitsaufgaben

A1:

Beschreibe einen Gegenstand, der dir persönlich etwas bedeutet. Das kann z. B. ein Erinnerungsstück (der Lieblingsteddy, den du von Tante Martha zum zweiten Geburtstag geschenkt bekommen hast), ein Lieblingskleidungsstück, ein Gegenstand, den du für ein Hobby benötigst, ... sein.

Achte bei der Beschreibung auf folgende Punkte: 

Einleitung: Erkläre, worum es in deinem Text geht

Hauptteil: Beschreibe deinen Gegenstand in geordneter und für den Leser nachvollziehbarer Form. Arbeit vom Allgemeinen zum Besonderen. Achte auf eine nachvollziehbare Gliederung. Reserviere für jeden Gesichtspunkt einen eigenen Absatz. Mach Zwischenüberschriften

Schluss: Setze einen klaren, abrundenden Schlusspunkt. 

 

A2:

Beschreibe dich selbst in drei verschiedenen Texten. Berücksichtige dabei drei der folgenden Situationen: 

a: Du bist abgängig und wirst mit einem Steckbrief gesucht.
b: Du bewirbst dich um einen Ferienjob als Eisverkäuferin oder als etwas anderes.
c: Deine beste Freundin / dein bester Freund porträitiert dich an deinem Geburtstag in einer Geburtstagsrede

d: Deine Mutter / dein Vater (oder ein anderes Familienmitglied) beschreibt dich einem Freund / einer Freundin
e: Du entwirfst einen persönlichen Steckbrief für ein soziales Netzwerk o. ä.

f:  Du stellst dich in einem Kurzreferat deinen neuen MitschülerInnen vor. 

Achte in den einzelnen Texten jeweils auf die Schreibsituation, auf das Ziel der Beschreibung und auf das, was die LeserInnen / ZuhörerInnen von dir erwarten. Wie wichtig sind z. B. jeweils Aussehen, Persönlichkeit/persönliche Neigungen und Interessen, die eigenen Fähigkeiten, Erfahrungen und Erlebnisse, Hobbys ... 


A3:

Vereinfache die zwei Textausschnitte aus dem Schulunterrichtsgesetz über die Aufgaben der österreichischen Schule 

 

A4: 

Verfasse einen Text über die mythologische Figuren Jason und Medea,  indem du die vier Verständlich-Macher (also: Einfachheit, Gliederung/Ordnung, mittlere Länge, einige anregende Zusätze) anwendest. Orientiere dich dabei am Beispieltext.

 

A3 und A4: Texte vereifachen; verständlich Schreiben
beschreiben_texte_vereinfachen150717.doc
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