Argumentieren. Oder von logischen Beziehungen und kleinen Zauberwörtern

Es ist kalt. Es schneit. Die Straßen sind glatt. Die Sonne scheint. 

 

oder

 

Wenn es schneit, ist es glatt. Vermutlich sind dann auch die Straßen glatt. Dennoch kann die Sonne scheinen. 

 

oder

 

Obwohl die Sonne scheint, ist es kalt. Und die Straßen sind glatt. Denn es hat geschneit. 

 

oder

 

Im Rheintal schneit es, während auf hohen Bergen die Sonne scheint. Aber überall ist es kalt. Die Straßen sind daher sehr wahrscheinlich glatt. 

Wenn wir Wirklichkeit beschreiben oder wenn wir argumentieren, verwenden wir Sachsprache. Sachsprache ist dadurch gekennzeichnet, dass sie - im Unterschied zur literarischen Sprache - versucht, Wirklichkeit im weitesten Sinn möglichst eindeutig und präzise abzubilden. Dabei kommt es nicht in erster Linie auf Ästhetik (also: Schönheit) oder auf symbolische Verdichtung und Mehrdeutigkeit an, wie in der literarischen Sprache. Ganz im Gegenteil: wir wollen eine Sprache, die möglichst exakt ist und die möglichst wenig Interpretationsspielraum lässt. Und wir wollen eine Sprache, die logische Sachverhalte (z. B. Ursache-Wirkungs-Beziehungen) möglichst gut abbildet. 

 

Dafür gibt es ganz kleine Wörtchen und grammatische Strukturen, die wir viel zu wenig beachten. Das soll sich jetzt ändern. 

Konnektoren: klein, aber oho

Die logische Struktur der Argumentation muss auch sprachlich klar gemacht werden. Konjunktionen (Bindewörter) und andere textverbindende Wörter, z. B. Adverbien, machen die logische Beziehung von Aussagen in einer Argumentation klar. Nur so entsteht wirklich eine logische Argumentationskette.

 

logische Bedeutung

in der Hauptsatzreihe, Präposition

Im Satzgefüge

kausale Begründung

denn, nämlich, wegen

da, weil

Bedingung; Kondition

in diesem Fall, ansonsten, sonst, andernfalls, ...

wenn, falls, insofern, ...

Schlussfolgerung

also, demnach, daher, folglich, deswegen, infolgedessen

(so) dass, sodass

Zweck oder Ziel

darum, dazu, um zu

dass, damit, sodass, indem

Konzession (Einräumung)

trotzdem, dennoch, zwar, jedoch, allerdings, aber

obwohl, obgleich

Entgegensetzung

oder, aber, trotzdem, dagegen, hingegen, indes, dennoch, jedoch, aber, im Gegensatz dazu, im Unterschied dazu, in Abgrenzung dazu, sonst, anstatt, anstatt zu, weder – noch, 

obwohl, obgleich

Vergleich

so ... wie, größer – kleiner als, je ... desto, je .... umso,

wie, wie wenn, als

Einschränkung

sonst, dennoch, ohne zu

(in)sofern, (in)soweit

Aufzählung

und, zunächst, zuerst, dann, außerdem, ferner, weiters, zudem, zusätzlich, ein weiterer Aspekt, sowohl als auch, 

 

Abrundung

schließlich, endlich zuletzt

 

 

Übung zur Satzlogik
131125_tk2_erörtern_sätze_verbinden.docx
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Modifizieren: Den Bedeutungsumfang definieren

Außerdem können wir den Geltungsbereich von Aussagen mit sprachlichen Mitteln abschwächen oder verstärken. Das heißt, wir können Aussagen modifizieren.

Möglichkeiten dazu sind

 

Adverbien: endlich, allzu, sehr, fast, rund, beinahe, keineswegs, durchaus, im Großen und Ganzen, niemals, oft, ...

Pronomen: keine, einige, manche, viele, jeder, fast jeder, etwas, nichts, ...

Modalverben: wollen, können, müssen, sollen, dürfen, mögen

Aktiv - passiv (nur sehr sparsam verwenden! Der Stil wird sonst sehr sperrig)

Indikativ – Konjunktiv I – Konjunktiv II: es ist – es sei – es wäre; er kann - er könne - er könnte; wir müssen – wir müssten; ...

Übung

Verändere den Geltungsbereich der folgenden Sätze, indem du modizifizierende Wörter verwendest: 

 

  • Jugenliche sind computersüchtig. 
  • Computerspiele sind gefährlich. Computerspiele sind harmlos. 
  • Smartphones sind Statussymbole. 
  • Jugendliche verlieren sich in virtuellen Welten. 
  • Jugendliche werden zu Nerds. 
  • Jugendliche verlieren den Zugang zur eigentlichen Wirklichkeit. 
  • Jugendliche vereinsamen vor dem Computer.
  • Smartphones und Handys verhindern konzentriertes Lernen. 

Fürwörter haben eine verbindende Funktion

Das Smartphone hat für Jugendliche eine sehr wichtige Bedeutung. Dies ist eine Tatsache. Es ermöglichst Jugendlichen den Zugang zum Internet. So können sich viele ein Leben ohne ihre Smartphone nicht mehr vorstellen. 

 

Fürwörter (Pronomen) können Nomen oder ganze Phrasen ersetzen. Damit ersparen sie es uns, in einem Text 20 Mal das Wort Smartphone verwenden zu müssen. Das ist aber nur eine Funktion, die Pronomen haben. Viel wichtiger ist, dass sie Satzteile, Sätze oder Abschnitte aneinander binden können. 

 

Grundsätzlich können wir drei verschiedene Gruppen von Fürwörtern unterscheiden: 

 

bestimmte Fürwörter: stehen für ein ganz bestimmtes Nomen und sind im Geschlecht und in der Zahl mit diesem Nomen übereingestimmt. 

 

Beispiele:

  • Das Kind spielt mit meinem Smarthone. Es darf das. Ich habe ihm die Erlaubnis dafür gegeben. 
  • Ich habe dein Smartphone nicht gesehen. Das habe ich dir schon dreimal gesagt. 

 

hinweisende Fürwörter (demonstrativpronomen): stehen allein oder anstelle des Artikels und geben eine Relation an. 

  • Dieses Kind hat ein neues Smartphone. Jenes hat keines. 
  • Ich lade mir dieses App auf mein Smartphone. 
  • Dies ist mein letztes Angebot. 

 

besitzanzeigende Fürwörter (Possesivpronomen): geben ein Besitzverhältnis an. 

  • Mit meinem Smartphone kann ich nicht mehr ins Internet. Kannst du mir deines leihen. 

 

unbestimmte Fürwörter: stehen für eine nicht genau bestimmte Gruppe von Nomen. 

  • Jugendliche und junge Erwachsene zählen zu den digital Natives. Für viele ist der Umgang mit dem Computer etwas ganz Selbstverständliches. Fast alle sind - im Unterschied zu den meisten Erwachsenen - mit den neuen Technologien aufgewachsen. Nur ganz wenige haben Berührungsängste oder verweigern sich diesen Technologien.