Textmerkmale

Was ist ein Text?

Der Begriff "Text" bedeutet "Gewebe". Gemeint ist damit ein Gebilde aus Sätzen. Diese bilden ein sinnvolles, in sich geschlossenes, mündlich oder schriftlich formuliertes Ganzes. Der Fachbegriff dafür ist Kohärenz (Zusammenhalt). Es gibt unterschiedliche Kohärenzfaktoren, z. B. 

 

inhaltliche Kohärenzfaktoren: 

z. B. Thema, Grund- oder Leitmotive, gedankliche Entwicklung, Wiederholungen und Weiterführungen, räumliche und zeitliche Ordnung, Figuren, ...

 

formale Kohärenzfaktoren: 

zentrale Merkmale einer Textsorte (z. B. Märchen: Formelhaftigkeit der Sprache, Figureninventar, Symbolik, ...)

 

sprachliche Kohärenfaktoren:

stilistische Merkmale, Sprachniveau, Formalisierung von Sprache (z. B. Lyrik), Sprachtraditionen (Rechtssprache, Amtssprache, journallistische Sprache, ...)

Grammatikregeln

Wortschatz

Übersicht: unterschiedliche Dimensionen, die sich an Texten betrachten lassen
Übersicht: unterschiedliche Dimensionen, die sich an Texten betrachten lassen

Textsorten

Für die standardisierte Reifeprüfung (Matura) ist zentral, dass jede Themenstellung von einem konkreten Text, der nach bestimmten Aufgabenstellungen hin zu bearbeiten ist, ausgeht. Mögliche Aufgabenstellungen kreisen um die Grundkompetenzen Beschreiben (z. B. einen Text zusammenfassen, zentrale Aussagen in einem Text wiedergeben, eine Inhaltsangabe verfassen), Interpretieren oder Kommentieren (z. B. einen Text analysieren, eine Interpretation verfassen, zu einem Text Stellung nehmen) oder Bewerten (z. B. eine Empfehlung formulieren)

 

Dabei wird zwischen folgenden grundlegenden Textkategorien unterschieden: 

  • lineare versus nicht-lineare Texte: lineare Texte sind Texte im eigentlichen Sinn; nicht-lineare Texte sind z. B. Grafiken, Bilder, Karikaturen, Comics, MindMap, ...
  • Sachtexte versus literarische Texte. Sachtexte sind z. B. Reportagen, Berichte, Kommentare, Interviews, Lexikonartikel, ... Literarische Texte sind Textauszüge aus längeren epischen Texten (z. B. aus einem Roman), kürzere epische Texte (z. B. Kurzgeschichten, Fabeln, Parabeln),  lyrische Texte (Gedichte), dramatische Texte (z. B. Auszug aus einem Theaterastück

Bei Sachtexten ist die Unterscheidung zwischen informierenden Texten (z. B. Bericht), argumentativen Texten (z. B. Kommentar) und appellativen Texten (z. B. Rede oder Debattenbeitrag, die mit einer Handlungsforderung enden) zentral. 

Textebenen: Texte beschreiben

Jeder Text lässt sich nach folgenden Grunddimensionen betrachten: 

 

Kontext: 

  • In welchem Diskussionszusammenhang bzw. thematischen Zusammenhang steht ein Text? Auf welche übergeordnete Thematik nimmt er Bezug?
  • Wer ist der Verfasser / die Verfasserin eines Textes? Welchen Zugang zum Thema hat er / sie? Welchen persönlichen Hintergrund hat er / sie? Welche "Legitimation" zur Verfassung des Textes hat er / sie? Welche Intention, den Text zu verfassen hat er / sie? Welche Absicht verfolgt er / sie mit dem Text?
  • Wer ist Adressat / Adressatin des Textes? An welches Zielpublikum wendet sich ein Text? Was soll beim Zielpublikum erreicht werden (z. B. Information, Meinungsbildung, Handlungsaufforderung, ...)?
  • Wann und wo ist der Text erschienen? Wie aktuell ist der Text? 

Inhalt: 

  • Was ist das Thema // was sind die Themen, um das / die es im Text geht?
  • Was sind die zentralen Aussagen / Kerninformationen im Text?
  • Was sind periphere Aussagen // "Füllungen" // Beispiele?
  • Worauf basieren die Aussagen (z. B. angeführte Quellen)?
  • Wo wird im Text informiert (Daten, Fakten, Tatsachen-Aussagen)?
  • Wo wird im Text argumentiert (Argumente; Thesen; Begründung der Thesen)?
  • Wo wird im Text appelliert

Form:

  • Textsorte; typische Merkmale, die diese Textsorte definieren; Inwiefern werden diese Merkmale erfüllt?
  • formaler Aufbau; roter Faden; gedankliche Entwicklung; Sinnabschnitte
  • inhaltliche Dichte / Redundanz (Verhältnis von Länge und Aussagen)

Sprache / Stil: 

  • Sprachniveau (nahe an der Umgangssprache; alltagssprachliches Niveau; fachsprachliches Niveau; Expertensprache)
  • Sprach"duktus" // Sprachtraditionen (z. B. Amtssprache, Reportage-Stil, essayistische Sprache, ...)
  • Abstraktionsniveau, Bildhaftigkeit der Sprache, Anschaulichkeit der Sprache, ...

 

Textebenen: Texte reflektieren / bewerten

Etwas anspruchsvoller ist es, Texte nicht einfach nur zu beschreiben, sondern sie einem kritisch-wertenden Blick zu unterziehen. Dies erfordert bereits sehr hohe sprachliche Meta-Kompetenzen und die Fähigkeit, Texte nicht nur inhaltlich zu erfassen, sondern sie darüber hinaus auch nach bestimmten Kriterien kritisch-reflektiv zu hinterfragen. Im Rahmen der BRP sind solche Kompetenzen zumindest in Ansätzen zu entwickeln. Wichtig dabei ist, einen Text auch "gegen den Strich" zu lesen, also kritische Fragen an einen Text zu stellen bzw. einen Text auf seine "Leerstellen" hin zu durchleuchten. 

 

Mögliche Aspekte / Leitfragen in diesem Zusammenhang sind ...

 

kritische Reflexion auf der inhaltlichen Ebene:

  • Wie relevant ist das Thema / der Themenaspekt?
  • Wie gut fundiert ist die inhaltliche Darlegung? (Experten-Niveau <==> laienhaftes Niveau <==> mangelnde inhaltliche Fundierung) 
  • Welcher Aspekt einer größeren Thematik wird beleuchtet? Welche (ansonsten ebenfalls wichtigen) Aspekte / Perspektiven bleiben ausgeblendet. 
  • Wie überzeugend ist die Argumenation? Ist die Argumentation als solche offen erkennbar? Oder wird eher "verdeckt" argumentiert? Wie fundiert ist die argumentative "Beweisführung" (Fakten ==> Schlussfolgerung; Begründung der Thesen)
  • Welche Grundvoraussetzungen werden stillschweigend gemacht? Wie akzeptabel und bindend sind diese Grundvoraussetzungen? 
  • Gibt es Argumente, die keine sind // Scheinargumente (z. B. Argument gegen eine Person, Autoritätsargument uam.)
  • Gibt es inhaltliche Bruchstellen?
  • Gibt es im Text manipulative Tendenzen? Inwiefern? Wo?
  • Wie repräsentativ sind die angeführten Beispiele
  • ...

kritische Reflexion auf der sprachlichen / stilistischen Ebene:

  • Wie ist die sprachliche Sorgfalt, mit der ein Text gestaltet ist?
  • Wie angemessen ist der "sprachliche Grundton"? (z. B. passt eine überspitzte / pointierte / ironisierende Darlegung zu einer Glosse, nicht aber zu einem Bericht)
  • Gibt es manipulative sprachliche Tendenzen? (z. B. pejorative Begriffe, euphemisierende Begriffe, abwertende Begriffe, "belastete" Begriffe, rhetorische Fragen, die manipulativ eingesetzt werden u.a.m.
  • Gibt es Tendenzen der "sprachlichen Immunisierung" (z. B. Flucht ins "man", ohne dass Adressaten benannt würden)
  • Hat der Text eine besondere stilistische Qualität? (Pointiertheit, Schönheit, argumentative Qualität, ...)

kritische Reflexion auf der formalen / strukturellen Ebene:

  • Wie stimmig / logisch konsistent / leserfreundlich ist die formale Struktur?
  • Passen Überschriften zum Inhalt?
  • Passt die formale Gliederung (Sinnabschnitte <==> formale Abschnitte)?