Zusammenfassung 2: Inhaltsangabe

Beispieltext

Merkmale der Inhaltsangabe

Definition Inhaltsangabe


Die Inhaltsangabe ist eine sehr streng formalisierte Textsorte Es geht darum, die zentralen Handlungsschritte eines erzählenden oder dramatischen Textes zu beschreiben.


Wie umfangreich eine Inhaltsangabe sein muss, hängt von ihrem Zweck ab. Deshalb ist die Wortvorgabe zu beachten.  Es gibt ganz knappe und relativ umfangreiche Inhaltsangaben. Eventuell kann es auch gefordert sein, den Inhalt einer Geschichte nur bis zu einem gewissen Punkt zusammenzufassen (z. B. für einen Klappentext)


Zum Beispiel könnte eine sehr knappe Inhaltsangabe (Five-Liner, Fabel) zu Fenster-Theater so lauten: 


Eine Frau beobachtet ihren Nachbarn vom Fenster aus und deutet sein Verhalten falsch. Sie alarmiert die Polizei. Es stellt sich heraus, dass der hörbehinderte Mann nur mit einem Kind  „Fenstertheater“ spielt.


Eine noch kürzere Variante wäre zum Beispiel: 


Eine Frau denunziert ihren Nachbarn, dessen Verhalten sie falsch deutet, bei der Polizei. 


Wir sehen allerdings auch: Je mehr wir die Inhaltsangabe straffen, desto mehr Textelemente gehen verloren. Zumindest die kürzeste Variante können wir nicht mehr eindeutig  der Kurzgeschichte "Fenstertheater" von Ilse Aichinger zuordnen. Sie könnte sich auch auf einen anderen Text beziehen. 

 

Qualitätsmerkmale und Anforderungen


Inhaltliche Qualität

  • Vollständigkeit im Hinblick auf die zentralen Handlungsschritte
  • Konzentration auf die zentralen Handlungsschritte; Unterscheidung von zentralen Handlungsschritten und Nebenaspekten;
  • Abstraktionsfähigkeit; Fähigkeit zur Verdichtung; Vermeidung von Redundanzen
  • Inhaltliche Genauigkeit und Korrektheit


Sprachliche Qualität

  • Sachsprache; objektiv-distanzierender und neutral-beschreibender Sprachstil; Distanzierung von der literarischen (!) Sprache der Textvorlage; keine paraphrasierende Sprache
  • Möglichst maximale sprachliche Verdichtung; keine Redundanzen
  • Gegenwart (Präsens) mit Vergangenheit (Perfekt) als Vorzeit
  • Keine wörtlichen Reden; indirekte Rede im Konjunktiv

Formale Qualität:

  • Dreiteiliger Aufbau (Einleitung, Hauptteil, Schluss)
    Einleitung: Daten zum Text (AutorIn, Titel, Gattung, Thema, ev. Quelle); Basissatz
    Hauptteil: Handlungsschritte (objektive Beschreibung der Handlung in zirka 7 bis 10 Handlungsschritten)
    Schluss: kurzer persönlicher Abschluss (subjektiv)
  • meist chronologische Gliederung im Hauptteil (ev. abweichend vom Gliederungsprinzip des literarischen Textes, der beschrieben wird
  • Umfang:  der vorgegebene Umfang muss eingehalten werden; die maximale Wortanzahl darf nicht überschritten werden.

Erarbeitungsschritte


Schritt 1: (mehrfaches) Lesen der Textvorlage; Texterschließung mithilfe von Leitfragen (WER macht WAS WIE, WARUM mit WELCHEN FOLGEN? Wer ist der Protagonist/die Protagonistin? Wann und wo spielt die Geschichte? Was passiert? Wo setzt die Geschichte ein? Wie endet die Geschichte? Gibt es einen Höhepunkt / einen Wendepunkt? Wo sind Schlüsselstellen?)


Schritt 2: Identifizieren der zentralen Handlungsschritte (aus dem Kopf) à schriftliches Konzept; kontrollierendes Nachlesen


Schritt 3: Erstellen der Reinschrift


Schritt 4: inhaltliche, sprachliche und formale Optimierung (Überarbeitung der Reinschrift; Streichen von Wiederholungen / Redundanzen und von Peripherem)


Ähnliche Textsorten     

  • Textzusammenfassung (auf Sachtexte bezogen)
  • Textanalyse: Analyse literarischer Texte --> Inhaltsangabe als Basis für die Erläuterung einzelner Textmerkmale wie z. B. Figuren 
  • Interpretation (Beschreibung/Darlegung zentraler Textmerkmale und persönliche deutende Auseinandersetzung mit einem literarischen Text; eine Inhaltsangabe ist Grundlage für eine Analyse)

Die Inhaltsangabe ist keine eigentliche Textsorte für die Matura. Sie ist aber eine wichtige Grundlage für die Analyse und Interpretation literarischer Texte.