Kassandras Familie

Vater Priamos

K. ist die Lieblingstochter von König Priamos; diese enge Beziehung verhindert lange Zeit, dass K. einen realistischen Blick auf den Vater und die Verhältnisse in Troja  entwickelt; K. flüchtet in die Verleugnung; sie spaltet tieferes Wissen ab; schließlich flüchtet sie in den Wahn (Anfälle)


erst allmählich und schrittweise gelingt K. die Distanzierung vom Vater --> K. bricht ihr Schweigen. Das führt zum offenen Konflikt mit dem Vater; der Vater verstößt sie und lässt sie "im Korb" einsperren

 

Dass der Vater K. verstößt, ermöglicht es ihr, ihre eigene Blindheit und die verleugneten Ich-Anteile zu erkennen; sie durchschaut allmählich das Machtspiel am Hof; sie akzeptiert, dass der Vater ein  mitschuldiger Komplize des "Kriegstreibers" und "Kriegsgewinnlers" Eumelos ist

 

K. erkennt, dass ihr Vater parallel zur Stadt Troja und zur Trojanischen Kultur "zerfällt" und am Schluss ein "Gespensterkönig" ist, der über eine "Gespensterstadt" herrscht. 

 

Hekabe

Hekabe ist die lange Zeit fremde Mutter, zu der K. keine emotionale Beziehung hat; erst als sie erkennt, dass ihre Mutter wie sie selbst auch (und wie überhaupt alle Frauen) im Verlauf des Krieges aus der Palastwelt hinausgedrängt werden und jeden Einflluss verlieren, nähern sich die beiden ein Stück weit an. Beide orientieren sich an der matriarchalen IDA-Welt (Gegenwelt zur patriarchalen Palast-Welt)

 

Troilos

Der "kleine Bruder", der das erste Kriegsopfer auf der Seite der Trojaner wird. K. sieht seinen Tod voraus, sie kann aber Troilos nicht vor Achilles Brutalität schützen.  Nach dem Tod wird Troilos zum Helden stilisiert und es wird ein erster Mythos rund um ihn gebildet. 


Paris

K. hat Verständnis für die "Marotten" des Paris, zumal er als Kind ausgesetzt worden ist. Um seine Stellung am Hof muss er kämpfen. Ihr "Mitleid" mit Paris macht K. blind für die großspurigen Lügen und die Intrigen des Paris; Paris erfindet die Geschichte mit Helena, um sich selbst als "Sieger-Typ" zu inszenieren. 

 

Hektor

K. beobachtet Hektors Instrumentalisierung / Stilisierung als Held und sieht vorher, dass er im Kampf gegen Achill verliert und stirbt.  Was sie fassungslos macht, ist, dass Achill seinen Leichnam schändet und ihn im Triumpfzug um die Stadt schleift. In der Folge ist Achill für sie "das Vieh". Wenn sie ein Ziel hat, dann ist es, Achill "zur Strecke zu bringen"; und dafür ist ihr jedes Mittel recht. 

 

Helenos

Helenos ist der Zwillingsbruder Kassandras. Er ist Priester und Haruspex (Eingeweide-Schauer). Wie Kassandra selbst ist auch ihm bewusst, dass die Orakel-Sprüche "politisch bestellt" sind und dazu dienen, "die innere Moral" aufrecht zu erhalten. Im Unterschied zu Kassandra lässt er sich bewusst instrumentalisieren, indem er den poltisch Mächtigen (Eumelos, Priamos) genehme Orakel-Deutungen von sich gibt.

Helenos ist also sowohol Spiegel als auch Konstrast-Bild zu Kassandra.

 

Polyxena

Polyxena ist die schöne Schwester Kassandras, mit der sie um die Gunst des Vaters ringt und die sie für ihre weibliche Schönheit beneidet (obwohl sie sich das selber die längste Zeit nicht zugesteht). Gleichzeitig verachtet K. Polyxena, weil sie "die Weibchen-Karte" spielt, um ihre Ziele zu erreichen. Kassandra vergönnt Polyxena das Amt der Priesterin nicht und bringt sie um dieses Amt. Außerdem versagt sie, als Polyxena sie um Hilfe bittet und ihre Träume deuten lassen möchte. Am schwersten wiegt aber, dass K. indirekt mitschuldig am grauslichen Tod von Polyxena ist: Sie wird zum Lockvogel für Achill; und das im Tempel des Apoll, also an einem "heiligen Ort" und unter den Augen Kassandras. Der physische Tod Polyxenas ist also gleichzeitig auch der "moralische Tod" Kassandras.