Die Ilias. Die große Erzählung vom Kampf um Troja

Der Sänger Homer

Das große Epos "Ilias" wird dem angeblich blinden griechischen Sänger Homer, dessen reale Existenz zumindest umstritten ist, zugeschirieben. Es dürfte aus dem 8. Jh. v.u.Z. stammen. 

 

Homer werden die Heldenepen "Ilias" (Kampf um Troja, Zerstörung Trojas durch die Griechen; Trojanisches Pferd) und "Odyssee" (Irrfahrt des Odysseus auf seiner Heimreise nach Ithaka nach der Zerstörung Trojas) zugeschrieben. 

 

Die "Ilias"

Der Titel ist abgeleitet von dem griechischen Namen für die Stadt Troja: Ilion. Die Geschichte spielt im letzten Jahr des Trojanischen und umfasst einen Handlungszeitraum von 49 Tagen. Der Rest wird entweder vorausgesetzt und kommentierend ergänzt. 

 

Die Ilias schildert in 24 Gesängen den Zorn des griechischen Helden Achilleus, der - vom Heerführer Agamemnon, der ihm seine Sklavin Briseis raubt,  gekränkt ist. Achilleus verlässt die griechische Streitmacht, die daraufhin im Kampf gegen die Bewohner von Troja schwere Niederlagen erleidet. Erst als Achilleus Freund Patroklos im Kampf gegen die Trojaner fällt, richtet sich der Zorn des Achilleus gegen die Trojaner und er kehrt ins Heerlager der Griechen zurück. Achilleus tötet den griechischen Heerführer Hektor im Zweikampf, überlässt dann aber Priamos aus Mitgefühl den Leichnam zur Bestattung.

 

Die Haupthandlung wird von zahlreichen Nebenepisoden unterbrochen, die die verschiedensten von Göttern abstammenden Helden im Zweikampf zeigen und ihre Geschichte „nachholen“.

 

Wichtiges Merkmal ist, dass der Wille der Götter und göttliche Intrigen und Empfindlichkeiten das Schicksal der einzelnen Menschen und den Handlungsverlauf wesentliche bestimmen (Mensch als Spielball der Götter).

 

Vergleich "Ilias" und "Kassandra"

Im Zentrum von Christa Wolfs "Kassandra" steht nicht das Kampfgeschehen, sondern die Reflexion der „Gesetzmäßigkeiten“ und der „Logik“ des (männlichen) Kampfes (aus weiblicher Perspektive)

 

Das Einbringen der weiblichen Perspektive führt zu zahllosen Umdeutungen: die Helden werden entmystifiziert (Paris, Achill, Agamemnon, Hektor, ....), der heroische Kampf wird zur sinnlosen, brutalen Schlächterei (Achill), die (gottgewollte) Tragödie zur Folge menschlichen Versagens, die Inbesitznahme der Frauen durch Männer und Götter zum entwürdigenden Gewaltakt. 

 

Der Mythos wird als (männliche) Erfindung // Projektion im Dienst männlicher Selbsterhöhung dargestellt (Helena, Achill, ....) gedeutet. 

 

Christa Wolf thematisiert das Fehlen der weiblichen Sicht auf die Geschichte (Wunsch, die eigene Erfahrung weiterzugeben; Wissen um die Vergeblichkeit // Sinnlosigkeit dieses Wunsches)

 

Sie thematisiert die Opposition zwischen Patriarchat (Palast) und Matriarchat (IDA)

 

Im Gegensatz zu den Stoff-Bearbeitungen von Aischylos und Euripides, die beide zu einer „Humanisierung“ tendieren (z. B. wird Iphigenie bei Euripides nicht geschlachtet), beharrt Wolf auf den „alten Grausamkeiten“; nicht um sie zu beschönigen, sondern um sie in ihrer Brutalität und Sinnlosigkeit zu entlarven

 

Der Mythos um Kassandra und um den Troianischen Krieg wird zur fundamentalen Kritik am Krieg und an der Kriegslogik (Aktualisierung des Stoffes; Vergleichsmöglichkeiten zur Logik des Kalten Krieges)

 

Der Weg in die Diktatur in Troia kann als (mögliche) Kritik am real existierenden Sozialismus der DDR mitgelesen werden (intendiert?)

 

Zentral ist auch die Gegenüberstellen männlicher Logik // Wirklichkeitssicht und weiblicher Logik // Wirklichkeitssicht (als Rezeption der feministischen Diskussisonen der 70er-Jahre)